Da sind sie. Gelangweilt und wütend. Nehmen Stöcke und Steine in die Hand und sind hinter ihm her. Er, der doch so wehrlos ist.

Außer der Hauptstraße gibt es nur sandige “Straßen” in dieser Ortschaft
Rollenverteilung:
“Sie”: Das ist eine Gruppe von Jungs. Schätzungsweise im Alter von 8-12Jahren.
“Er”: Ein junger Esel, der mit anderen Eseln auf der Straße lebt.
Szenerie: Die Esel bilden eine Gruppe von drei Tieren.
Die Jungs bilden ein Rudel von zehn Wölfen. Das Rudel weiß nicht, was es mit sich anfangen soll. Der Tag hat kaum begonnen und schon ist er für die Jungs wie all die anderen Tage: Öde und voller Langweile. Bei ein und dem anderen knurrt der Magen. Ein paar wiederum hatten wieder eine schlaflose Nacht, weil die Familie sich gezankt hat. Das Geschrei und der Streit hallt noch in Gedanken nach.
Die Jungs fühlen sich stark im Rudel. Das ist ihre Welt. Mit den Kumpels den Tag auf der Straße verbringen. Vergessen, was zu Hause passiert. Auch wenn da nichts passiert. Oder es nur einen Trott gibt. Einfach weg von dort. Und wenn sie könnten, würden sie nicht mehr nach Hause gehen. Nicht mehr dorthin, wo sie Schlägen ausgesetzt sind und sich Demütigung gefallen lassen müssen. Nicht mehr an diesen Ort, der mit Frust gefüllt ist. Ein Vater, wenn er denn noch bei der Familie lebt, der seinen eigenen Kindern keine Beachtung schenkt. Eine Mutter, die den ganzen Tag putzt und kocht, damit es sauber ist und die Mägen der Familie gefüllt sind. Auch wenn die Leere in den Augen bleibt.
Der Kopf des Rudels ist auf Leerlauf geschaltet. Ist der Tag doch wie jeder andere. Die angestaute Energie der Jungs möchte jedoch entweichen. Möchte etwas machen. Sinnvoll oder nicht, das spielt keine Rolle. Da fällt der Fokus auf die kleine Gruppe Esel, die am Straßenrand friedlich vor sich hingrasen. Intuitiv zerspaltet das Rudel die Gruppe, indem sie mit Steinen nach ihnen werfen. Intuitiv pickt sie sich den kleinsten, der Esel raus und fängt an, ihn zu jagen.
Der Esel ist voller Panik. War es doch gerade noch ruhig und er fühlte sich in Sicherheit mit seinen Begleitern. Ist er jetzt einem Rudel wütender Jungs ausgesetzt. Jungs, die mit einem Lachen Steine von der Straße aufheben und versuchen den Esel zu treffen. Gleich einem Pack hinterlistiger Wesen, das sich auf das schwächste Mitglied im Umfeld stürzt. Der Esel rennt so schnell er kann über einen sandigen Platz. Er hat Abstand gewonnen und dreht um, möchte er doch seine Esel-Familie wiederfinden. Doch stattdessen sieht er nur die rasende Meute auf ihn zukommen. Steine treffen das Tier. Er sieht Stöcke in den Händen der Jungs und setzt wieder zum Springt an.
Das Geschehen nähert sich Dir.
– Oh, verzeih, diese Rolle hatte ich nicht erwähnt. “Du”: sitzend in einem Auto und die Szenerie beobachtend. Das Auto ist mitten auf dem Weg, jedoch links und rechts ist Platz um vorbeizukommen. –
Zurück zum Treiben. Der Esel macht ein paar Zick-Zack Bewegungen bis er sieht, dass der einzige Weg nun an Deinem Auto vorbei führt. Die Wölfe sind mit einigen Metern Abstand in bester Laune und auf Hochtouren. Gibt es doch ein gemeinsames Zielobjekt. Eine Motivation, die müden Knochen zu bewegen. Der Erste sein zu wollen, der mit einem Stein oder Stock den Esel zum Aufschreien bringt. Du siehst den Esel an Dir vorbei rennen. Du siehst die panische Angst in den Augen des Tieres. Und Du hast den Moment, um zu entscheiden: bleibst Du weiterhin ein Beobachter der Szenerie? Schreitest Du ein und machst aus Deiner passiven eine aktive Rolle? Denkst Du Dir, Du kannst ja eh nichts ändern, ist doch gleich, was Du machst?
Tatsächlich interessiert es mich, was Du auf diese Fragen antwortest. Denn gestern Vormittag war ich in Deiner Rolle.
Die Hauptstraße
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Deutsche Fassung Die ReiseLeave a Comment on Ein Rudel Wölfe

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