I.
“Ich will eine Zitrone”, sagt eine Senegalesin mittleren Alters zu mir. Ihr Blick richtet sich auf mein Einkaufsnetz gefüllt mit Zitronen. Sie spricht französisch mit mir und wiederholt den Satz. Als ob es das normalste auf der Welt ist, auf der sandigen Seitenstraße beim Vorbeigehen eine andere Passantin nach den Dingen zu fragen, die sie mit sich trägt. Dabei war ich schon fast an ihr vorbei. Ihre Worte beißen sich in meinen Rücken.

II.
“Ich will, dass Du mir die Hand gibt’s”, sagt ein junger erwachsener Mann zu mir.
Er saß im Schatten unter einem Baum mit ein paar weiteren Männern, als ich an ihnen vorbei ging. Nachdem ich die wörtliche Begrüßung erwidert habe, springt er auf und kommt zu mir. Und noch einmal: “Hallo, wie geht’s?”. “Gut geht’s. Gott sei Dank.” gebe ich wiederholt zur Antwort. Ich gehe weiter des Weges. Er geht mit. Und wieder: “Wie geht’s?”. Dieses Mal streckt er die Hand dabei aus.
III.
“Ich will Geld”, sagt ein kleiner Junge mit großen Augen. Wie aus dem Nichts steht er vor mir und fordert mich auf, etwas in die leere Hand zu legen. Das passiert oft. Meistens sind sie in Gruppen: Jungs im Alter von 6-12Jahren streifen durch die Straßen und sind darauf getrimmt Erwachsene nach Geld zu fragen. Beliebte Beute sind Menschen mit weißer Hautfarbe. Wobei mich schon oft genug auch senegalesische Erwachsene darauf nach Geld gefragt haben.
Nun steht der Junge alleine bei mir und wartet auf eine Reaktion. Ich grüße erst einmal auf der Landessprache Wolof. Darauf grüßt der Junge mit leiser Stimme zurück und pocht weiterhin auf sein Anliegen: “Je veux d’argent”.

Eine Straße gleicht der anderen hier in dieser Ortschaft im Senegal.
IV.
“Ich will Dein Senegalesischer Freund sein”. Schon wieder einer der meint mich vollquatschen zu können. Jedoch möchte ich doch nur mit meinem Hund allein die Zeit am Strand verbringen. Er lässt nicht locker, fragt, warum ich meine Telefonnummer nicht gebe, und ob ich schon einen Senegalesischen Freund habe. Das macht die Situation nicht besser. Der Hund fängt an ihn anzukläffen.
V.
“Ich will den Hund”. Äh, wirklich? Habe ich das jetzt richtig verstanden?! Und ehe ich mich versehen habe, schnappt sich der ältere Mann meinen Welpen, kehrt mir den Rücken zu und möchte gehen.
Begegnungen wie die oben aufgeführten häufen sich hier im Senegal. Ich wünschte, ich könnte euch nur fünf absurde Geschichten beschreiben. Doch sie sind Beispiele für unzählige Aufeinandertreffen solcher Art.

Lustige Zeitgenossen vor dem Hoftor.

