Ich sehne mich nach Natur. Wie gerufen kommt die Einladung einer ägyptischen Freundin für ein paar Tage an die Küste zu fahren.

Schneller als gedacht, findet nun ein Ortswechsel statt.

Die Natur außerhalb Kairos.

11.04.2020 Die Autobahn namens Desert-Road führt uns immer mehr aus Kairo heraus. Die Straßen sind ungewöhnlich leer für Ägypten. Mit konstantem Tempo geht es gen Norden. Immer weniger Häuser entlang der Straße. Viel Grün. Dattelpalmen. Traubenplantagen. Witzige Gebäude. Aha, das sind Taubenhäuser.

Wie gut es tut, von der Stadt rauszukommen. In eine andere Umgebung. Wir grinsen vor uns hin und sind glücklich. Die Freude das Meer in ein paar Stunden zu sehen steigt ins Unermessliche. Mit jedem Kilometer.

Mit jedem Kilometer verändert sich die Landschaft. Es wird immer kahler. So langsam macht es Sinn, warum diese Straße Desert-Road heißt. Mehr und mehr Sand um uns herum. Die Gewächse werden kleiner. Mal taucht eine Tankstelle auf. Mal sieht man eine Kamelherde, die durch die Wüste getrieben wird. Büsche und Sträucher bedecken den Boden. Steinhaufen. Ein Schäfer mit seiner Herde. Strommasten. Ein Mensch am Straßenrand. Und Sträucher. Bis in die Ferne. Leicht hügelige, jedoch flache Gegend. Monotone Landschaft. Eine Ruine. Lange nichts. Dann eine Militärstation. Sandiger Boden von Sträuchern bedeckt. Mal taucht ein Funkmast auf. Auch im nirgendwo ist der Internetzugang gewährt. Ab und an ein Haus. Und große Sandhügel fernab von der Straße. Auf der Straße, immer wieder entfliehend, die Fata Morgana. Und schon wieder eine Maut-Kontrolle. Jedoch nicht: ”schon wieder”. Die Zeit vergeht einfach wie im Fluge. Nach dem ganzen gegenseitigen Geschichten erzählen kommen wir an. Etwas mehr als zwei Stunden später. Das ging echt flink. So war ich doch schon manchmal innerhalb Kairos bis zu eineinhalb Stunden im Auto unterwegs gewesen, um von A nach B zu kommen.

Das Wasser wie bei den Bahamas?

Ein Strand für uns alleine. Wie im Märchen. Der Sand, so fein wie Puderzucker, bleibt an den Füßen kleben. Eine erfrischende Brise. Das Meer ist wie gemalt, mit den verschiedensten Blautönen dieser Welt. Die Wellen laden zum Baden ein. Das lass ich mir nicht zwei Mal sagen. Und schon umgibt mich das berauschende Nass. Es befreit von all dem Stadt-Smogg. Lässt das Herz höher schlagen. Vitalisiert. Ein Tanz mit den Wellen.

Zurück am Strand. In Kleider gepackt. Wir scherzen, ob ich wohl die einzige in ganz Ägypten bin, die gerade im Meer war. Für die Ägypter scheint das Meereswasser noch zu kalt zu sein. Und wir haben gerade erfahren, dass die Regierung verboten hat, sich am Strand aufzuhalten. Wir fühlen uns ganz schön rebellisch. Wir grinsen vor uns hin und sind glücklich. Und schauen auf’s Meer hinaus.

Wir schauen.

Und atmen.

Einfach

Mal

D

U

R

C

H

A

T

M

E

N.

Der Tag neigt sich dem Ende zu.

Die Sonne verabschiedet sich für heute.

Feierlaune.

12.04.2020 Der Strand für uns alleine. Wie im Märchen. Doch, halt. Da scheint ein Fehler zu sein. Jedenfalls kommt ein uniformierter, junger Mann auf uns zu. Was hat der denn im Märchen verloren? Die Konversation auf Ägyptisch verstehe ich nicht. Jedoch verstehe ich, dass wir uns verbotener Weise am Strand aufhalten. Mist. Ich wollte doch gerade wieder ins Wasser springen. Der Mann geht. Und wir bleiben sitzen. Wir beobachten ihn, wie er aus unserem Sichtfeld verschwindet. Sodann verschwinde ich nochmal zwischen den Wellen.

Ein einsamer Soldat.

Erfrischt, wieder in Kleidung gepackt, machen wir uns auf. Zu einem Strandspaziergang. Der Körper adaptiert den ruhigen Rhythmus des Meeres. Das Gemüt strahlt mit der Sonne um die Wette. Und der Wind trägt unnütze Gedanken fort.

Nach einer ausgiebigen Runde, verlassen wir den Strand. Nun erfahre ich, um was es bei der Konversation mit dem Mann von der Marine ging: Wir sollten den Strand verlassen. „Das machen wir“, wurde versichert, „in zehn Minuten“. Ägyptische zehn Minuten. Eine Wohltat.

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