Bis gestern konnte ich es noch nicht glauben, doch dann stand er da. Der Besuch. Nach sechs stündiger Zugfahrt von Deutschland nach Polen. Entspannt und mit einem Lächeln im Gesicht schloss er mich in die Arme. Der Besuch.

05.März2021.Es ist früher Abend. Wir gehen für einen Bummel durch Schlesiens Hauptstadt: Kattowitz(Katowice) . Obwohl der Zustand schon länger so ist, noch ist es ungewöhnlich – die Restaurants sind offen, doch leer. Alles gibt es nur zum Mitnehmen. Wir schnappen uns ein Zapiekanka. Das ist eine Art polnisches Fast-food. Ganz simpel: ein überbackenes Baguette. Ein Imbiss, der in den 1970-er Jahren entstanden ist. Als eine günstige schnelle Ess-Möglichkeit für die arbeitende Bevölkerung. Mittlerweile gibt es in ganz Polen verstreut diese Zapiekanki-Imbisse, die einen Kult-Aufschwung erleben.
Mit einem heißen Baguette in der Hand schlendern wir durch die Fußgängerzone. Wie ausgestorben. An einem Freitag Abend. Die Clubs und Bars sind geschlossen. Alle paar Meter lässt ein menschenleeres Restaurant sein Licht auf die Straßen fallen. So gemütlich und warm sieht es darin aus.
Unsere Schritte werden fortgesetzt. Wir hatten frühlingshafte Temperaturen. Jedoch, es ist wieder kalt geworden. Zu kalt also, um an einem Ort zu verweilen. Die Fußgängerzone steuert direkt auf die Mariacki Kirche zu. Lautsprecher ertönen. Der Gottesdienst ist im vollen Gange. Gerne würde ich meinen Snack in Gesellschaft im Sitzen genießen. Aber der Gedanke, dass Weihrauch meine Geschmacksknospen manipulieren könnte, rät mir davon ab, diese Gemütlichkeit in der Kirche zu finden.
Die Spazierrunde geht weiter. Ganz nach Polnischer Art gibt es nach einem Essen nun noch eine Nachspeise. Eis essen ist hier das ganze Jahr über beliebt. Die Eisdielen haben jeden Monat Saison. Auf unserem Weg liegt leider keine Eisdiele. So muss ein Kiosk herhalten. Ein Minisupermarkt der jeden Tag bis 23Uhr geöffnet hat. Teilweise gibt es auch Filialen, die durchgehend geöffnet haben. So gibt es jetzt ein Eis am Stiel, um den Schmaus abzurunden.
Das Eis friert an der Hand fest. So kalt ist es. Der Grund, warum wir uns zügig auf den Rückweg machen. Zum Auto. Nach etwa 30Minuten Fahrt sind wir angekommen. Im Baumarkt. Der Ort, der stellvertretend für ein Café steht. Der Ort, der zu Interaktionen führt mit fremden Menschen. Der Ort, der das polnisch Vokabular trainiert. Wissend, was gebraucht wird, geht die Einkaufsrunde schnell. Dann ab zum Zielort.
Angekommen im momentanen Zuhause. Im selbsternannten Palast der Baustellen. Mitten im Baustaub und aufgerissenen Wänden war es möglich ein Zimmer zurecht zu machen. Für den Besuch. Doch dieses Zimmer ist erstmal nur da, um das Reisegepäck abzustellen. Eine Führung durch die Räumlichkeiten des Palastes wird geboten. Kreuz und quer. Hoch und runter führt der Weg. Über den Hinterhof. In den Schuppen. Zu einer Mutprobe. Ja, an Abenteuerlicherkeiten soll es hier nicht mangeln. Bestanden. Weiter in die gemütlichen, warmen vier Wände.
Es tut gut Besuch da zuhaben. Dinge werden aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet. Der Blick für etwas ändert sich. Und der zugesprochene Mut bewirkt Wunder.
10.März2021Ein paar Tage bereichert ein Herzensmenschen das Leben. Die Arbeit ruft. Vom Besuch. Die Abreise naht. Und schwupps. Weg ist er. Der Besuch.
22.März2021 Doch es ist etwas geblieben. Die guten Worte. Und wohl ein Startschuss nach Polen zu kommen.
Denn der nächste Besuch hat sich nun angekündigt. In zwei Tagen. Am Bahnhof von Gleiwitz ist die Ankunft. Die Freude steigt. Nach über einem Jahr, kommt es endlich zu einem Wiedersehen.
P.S. Dieser Artikel ist ohne Fotos. Beim Spaziergang durch Kattowice wurde das fotographische Gedächtnis aktiviert. Vielleicht male ich das, was abgespeichert wurde, oder die Fotos schieße ich bei einer anderen Gelegenheit.
P. P. S. Beim Spaziergang: Entweder war es zu kalt, um das Smartphone zu zücken. Oder aber, die Hände hatten Essen in der Hand.
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Deutsche Fassung Die ReiseLeave a Comment on Kaum zu glauben, aber wahr: Besuch ist da

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