02.02.2020 Der erste Tag in Ägypten. Es geht direkt zu den Pyramiden. Mit einer Meditationsgruppe.

Der Geschichte des Landes lauschen.

Es war einmal… ein Mädchen. Sie sitzt in der Schule. Erdkunde. Der Holzstuhl ist unbequem. Schon nach zehn Minuten. Noch sind es 35Minuten. Puh. Sie lauscht dem Lehrer, der über das Nildelta erzählt. Denkt an die Pyramiden. Erinnert sich an die Geschichte von Asterix und Obelix bei Kleopatra. Schaut aus dem Fenster. Die Sonne strahlt ihr ins Gesicht. Als ob die Strahlen das Mädchen rauslocken möchten. Da wäre sie jetzt gerne. Draußen. Mit ihren Freunden. In der Sonne. Eigene Erfahrungen machen. Mit offenen Augen durch die Welt gehen. Durch die Heimatstadt. Raus. In die Region. Das Land kennenlernen, in dem sie lebt. Weiter in andere Länder. Zu fremden Kulturen. Andere Sprachen. Gerüche. Atmosphäre. Sie reist um die Welt. Und steht vor den Pyramiden. Schnapp! Ein Krokodil hätte sie fast erwischt. Sie rennt davon. In Sicherheit gebracht, sieht sie nun die gewaltige Umgebung. Wüstensand. Ein Fluss. Das muss wohl der Nil sein. Beeindruckend wacht ein Löwe aus Stein im Sand. Größer als so manches Gebäude, dass sie kennt. Prachtvoll-königlich scheint er zu herrschen. Aufrichtig und loyal. Sie schreitet zu ihm und verneigt sich. Im tiefsten Inneren spürt sie, dass er sie kennt. Sie darf näher treten. Eine Tafel, wie ein antiker Computer, ist in ihrem Blickfeld. Wenn sie es doch bloß lesen könnte, was darauf steht. Ein Rätsel für sie. Und ein weiteres folgt. Da sind sie: die Pyramiden. Atemberaubend. In perfekter Symmetrie. Mystisch.

Mystisch. Mitten in der Nacht. Nur die Reisegruppe und ich. Frei von Touris. Keine Souvenierverkäufer. Mystisch. Wie schon der ganze Tag bei den Pyramiden. Ein Flecken Erde das so viele Geheimnisse in sich trägt. Und ich denke mir: wie schön es ist, unvoreingenommen die Welt zu entdecken. So gehe ich doch, im besten Falle, auch auf Menschen zu: offen und ohne Vorurteile. Möchte ich sie doch kennenlernen. Auf diese Art auch Orte kennenlernen. Ohne mit dem, was mir eines Tages eingehämmert wurde. Ohne dass ich meine, über jeden Stein etwas wissen zu müssen. Einfach mal kennenlernen. Mit wachem Geist und klarem Blick. Mit einem Gespür für das Umfeld. Warum meinen wir Menschen, dass wir so schlau, klug und allwissend sind? In Anbetracht der Pyramiden finde ich die heutige Menschheit ausgesprochen dumm. Wissenschaften, die versuchen, die Erschaffung der Pyramiden zu erklären. Ja: versuchen. Gefährliches Halbwissen über dessen Existenz. Vielleicht auch nur ein Bruchteil der Wahrheit, warum diese Bauwerke errichtet wurden, die der Öffentlichkeit Preis gegeben werden. Und warum? Weil unsere Zivilisation noch in den Kinderschuhen steckt? Wir machen es uns bequem. Nehmen das hin, was vorgekaut wurde. Wo bleibt der Raum für die Mystik der Welt? Wo die Offenheit? Sich einfach mal darauf einlassen und es kennenlernen.

Nachdem ich den Tag bei den Pyramiden verbracht habe. Den Sand unter den Füßen gespürt. Den trockenen Wüstenwind geatmet. Die Verhältnisse von Pyramidenblock und Mensch gesehen. Und in einer Pyramide verweilt habe. In Stille. Dunkelheit. Hitze. Eine Demut, die aufkommt. Nach all diesen Erlebnissen und Eindrücken an einem Tag, bin ich erschöpft. Eine schöne Erschöpfung. So eine, die Zufriedenheit hervorruft. Eine Freude darüber, endlich an diesem Ort gewesen zu sein. Diese Energie erlebt zu haben. Und diese Mystik. Auf besondere Art und Weise durfte ich sie kennenlernen. Vieles macht nun Sinn, was ich einst gelesen habe. Vieles überhaupt nicht. Durch mein eigenes Lernen, kenne ich nun einen Ort, der mir ein paar Geheimnisse verraten hat. Glücklich schlafe ich ein.

Vor mir Kairo. Hinter mir die Pyramiden.

Verträumt wieder in der Realität angekommen, sieht das Mädchen zur Tafel. Was gerade darauf geschrieben steht, ist ihr unbegreiflich. Begreiflicher ist ihr nun die hieroglyphische Schrift auf der Tafel in Ägypten. Ein Land vor unserer Zeit. Eine Zeit, die sie kennengelernt hat.

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