Nach so vielen Monaten Sonne und hauptsächlich Wüste, empfängt mich Frankreich mit abwechselndem Wetter und facettenreicher Landschaft. Eine richtige Wohltat. So ein anderes Ambiente.

Auch ist das Leben ein anderes, wenn man es mit jemandem teilt. Neue Herausforderungen kommen zum Vorschein. Ziele, die es gilt gemeinsam zu erreichen. Und Aufgaben, die jeder für sich hat.

Ein Ausschnitt der Küste von der Bretagne.

August. Frankreich. Bretagne. Am Meer. Gerne gehe ich barfuß durch die Natur. Jeder einzelne Schritt, den ich mache, spüre ich. Ich wähle meine Schritte mit Bedacht. Aufmerksam für die Umgebung und den Untergrund gehe ich über Steine, an denen sich das Meereswasser austobt.

Es ist gerade Ebbe. Somit sind einige Felsen noch feucht. Hier und da gibt es einen mini Teich oder gar ein kleiner natürlicher Pool. Fische, die für einen bestimmten Zeitraum in diesem steinigen Aquarium gefangen sind. Unterwasserpflanzen, die über Wasser einen trostlosen Eindruck machen.

Die Felsen sind rau. Es ist ein angenehmer Massage-Effekt. Doch einige Steine sind spitz und kantig und möchten einem eine Lektion erteilen, sobald der Fuß diese Unebenheiten betritt. Teilweise sind die großen Steine so weit voneinander entfernt, dass ein Sprung nötig ist. Oder die Ebenen sind so unterschiedlich, dass etwas Klettern angesagt ist. Ein eigens gefundener Weg ist mit jedem Schritt zurück gelegt. Kein ausgetrampelter Pfad, der ebenmäßig durch die Natur führt.

Die Sonne ist stark. Und der Wind noch stärker. Mit Jacke, geschützt vom Wind, bereitet der Spaziergang Freude. Ein Spiel mit den vier Elementen. Die Erde in Form von Steinen unter den Füßen. Die bewegte Luft, die das Wasser antreibt. Das Feuer der Sonne, welches durch den Wind vermeintlich abgeschwächt ist. An einem Ort, der geschützt von der Meeresbrise ist, ist die Kraft der Sommersonne spürbar. Sie ist intensiv und brutzelt auf der Haut.

Auf dem Meer, in der Ferne sind zwei Schiffe zu sehen. Sie „ernten“ Algen. Der Kran am Schiff, der die Wasserpflanzen aus dem Meer holt, wird Scooby-Doo genannt. Unter Wasser zieht der Kran mit einer Drehbewegung die Pflanzen aus dem Meeresgrund. Vollgeladen, wie eine Gabel mit aufgedrehten Spagetti, kommt der Kran wieder zum Vorschein. Mit der entgegengesetzten Drehbewegung fallen die geernteten Algen in das Schiff. Der ganze Ablauf geschieht in Windeseile.

Und auch in Windeseile zieht ein Nebel auf. Es ist später Nachmittag. Oder schon früher Abend? Der Nebel (französisch: brume) hängt wie ein Schleier über dem Meer und steuert auf das Land zu. Die Menschen steuern ihr Zuhause an. So auch ich.

Der Rückweg führt mich an der Küste entlang zu einer Wiese. Quer Feld ein nehme ich eine Abkürzung. Auf dem Rasen sind Algen. Dort wurden sie ausgebreitet, um zu Trocknen. Eingeteilt in Quadrate verzieren die Wasserpflanzen diese Wiese. Wenn sie getrocknet sind, werden die Algen zu einem Haufen aufgebahrt. Zum Abtransport sind sie nun bereit für die Weiterverarbeitung. Die Unterwasserpflanzen sind hier in allerlei Produkten vorhanden. Als Zusatz im Brot, im Tee, oder in der Seife. Ein Nahrungsmittel, das sich im Alltag oft zeigt.

Der Nebel ist schneller als ich und hüllt mich in eine feuchte Kälte ein. Die weiß-graue Wolke hat das Meer verschlungen und erobert nun einen Straßenzug nach dem anderen.

Ein typischer Sommertag. Für die Küste der Bretagne jedenfalls. Ein Tag, an dem sich fast jede Wetterlage gezeigt hat.

Die westliche Region der Bretagne wird Finistère genannt. Das Ende der Erde: Finis Tère. Dieses Ende der Welt ist steinig und rau. Die Gegend erzählt Geschichten von Seefahrern, Kriege und dem unbändigem Meer. Und doch verbirgt sich hier ein Zauber. Eine Schönheit, die die Natur offenbart. Eine Klarheit. Eine natürliche Ordnung. Etwas geheimnisvolles. Etwas sagenhaftes. Etwas, was einlädt, genauer hinzuschauen.

Ein Kunstwerk auf Zeit.

Ein solcher Spaziergang durch unbekanntes Terrain und neuen Einflüssen spiegelt das Leben gut wieder. Jedoch nur im Kleinen. Entscheidungen treffen, welcher Weg genommen wird. Fehler begehen. Das spüren. Die Konsequenzen tragen. Angenehme Momente genießen. Verstehen, was zu was führt. Erfolg erleben. Ein Ziel vor Augen haben. Sich stets an eine unbekannte Herausforderung wagen. Und Veränderungen wahrnehmen.

Das Reisen geht weiter. Ganz anders als zu Beginn angenommen. Aber das war schon sehr schnell klar: Dem Plan des Lebens folgen, anstatt verbissen eigene Pläne zu schmieden. Stets kommt im Leben etwas neues hinzu. Flexibel bleiben und das beste daraus machen. Das nehme ich mir jedenfalls jeden Tag vor. Mal klappt es. Mal weniger. So ist es, wie wohl alles im Leben ein Prozess, der stets im Gang ist.


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