Zwölf Monate. Acht Länder. Zwei Kontinente. Und 32Artikel später…

… befindet sich Großstadt-Pocahontas in einem Nachbarland von Deutschland. In Polen.

Bei all den Bauarbeiten und Renovierungen bleibt ein Moment, um das ganze Abenteuer mit Euch Revue passieren zu lassen.

Ein kleiner Hafen in Tunesien. Genannt Sidi Daoud.

DEZEMBER 2019. Wieviel Zeit ich in diesem Hafen und auf dem Katamaran verbracht habe. Gute Zeit. Und eine wunderbare Möglichkeit das Leben eines Skippers kennenzulernen. Als einziges Crewmitglied mit einem erfahrenen Seefahrer auf dem Mittelmeer. Allein dieses Erlebnis kann Bücher füllen. Voller Humor und Spannung.

Ende Dezember in Italien angelegt. Und zum zweiten Mal gemerkt: die Reise wird vom Herzen geleitet. Es kommt anders als gedacht. Ich entscheide mich in Italien zu bleiben. Der Stadtteil von Genua gefällt mit gut und die italienische Gelassenheit lässt selbst verregnete Tage erstrahlen.

Ich lerne einen Gemüse-Bauer kennen. Er beherbergt mich auf seiner Finka. Dort lebt auch eine junge Frau mit zwei Kindern. Wir freunden uns an, und ich entscheide mich zu bleiben.

6.Januar in Chiavari. Italien.

JANUAR 2020. Das neue Jahr wird in den Bergen Italiens gefeiert. Obwohl es jeden Moment wieder nach Tunesien gehen könnte, mag ich weiterziehen. Anstatt auf ”Abruf“ an Ort und Stelle zu bleiben. Noch keine Ahnung wohin, mache ich mich auf den Weg, um die Reise fortzuführen.

Es ist schon eine Reise für sich von den Bergen in die nächste Stadt mit Bahnhof zu kommen. Und da bin ich. In Chiavari. Der Zug fährt in zwei Richtungen. Überschaubare Auswahl. Das macht es leichter. Spontan schreibe ich eine Nachricht nach Marseille. Und in der Tat: spontan buche ich ein Ticket, um nach Frankreich zu fahren.

Marseille und die Umgebung erkunden und als Großstadt-Pocahontas diesen Blog zu starten, steht auf dem Tagesplan. Entspannte Tage im Hafen von Marseille. Wunderbar.

Dann kommt die Nachricht vom Skipper: „Buche einen Flug für den 15.Januar nach Tunis. Am 17. setzen wir die Segel.“.

Eine Aufregung macht sich breit. Ein schönes Gefühl voller Vorfreude. Ich soll wieder nach Tunesien reisen. Doch nicht, um eine Atlantik-Überquerung zu starten.

Nach all dem Hin und Her, dem Warten, nervenaufreibende Momente und Momente voller Glückseligkeit legt der Katamaran in dem Augenblick ab, wenn ich in das Flugzeug nach Ägypten steige.

Die Steinblöcke im Vergleich zu einer Person.

FEBRUAR 2020. Ein Land kennenlernen, das fernab von meiner gedachten Reiseroute liegt. Ja, zum dritten Mal hat mein Herz eindeutig entschieden. Und auch ein weiteres Mal, als es heißt: auf den Katamaran noch mit aufspringen und den Atlantik überqueren, oder…? Ja, oder. Ich bleibe in Ägypten.

Menschen, die mich beherbergen und mit denen ich Ausflüge mache. Die Kultur darf ich kennenlernen und alsbald in der Wohnung einer Freundin leben. Dort wohne ich allein und eines Abends denke ich daran weiterzureisen. Ich möchte über Israel nach Jordanien. Doch was ist da los? Israel hat die Grenzen geschlossen. Wegen eines Virus?!

Ägyptisches Leben bedeutet viel Zeit im Verkehr zu verbringen.

MÄRZ 2020. Nachdem ich es gründlich durchdacht habe, freunde ich mich mit dem Gedanken an, nun einige Zeit in Ägypten zu verbringen. Ja, wenn die Welt jetzt untergeht bin ich in Ägypten. Das soll mir recht sein. Ich tauche tiefer in das ägyptische Leben ein. Soll heißen, ich nehme öffentliche Verkehrsmittel, anstatt eines Ubers, lerne Bauchtanz und baue meinen ägyptischen Wortschatz aus.

So nach und nach kommen nun auch in Ägypten die Einschränkungen und Sicherheitsmaßnahmen. Und es wird wärmer. Tagsüber macht sich eine Hitze breit. Das Leben in der Stadt ist ungemütlich.

Ich halte meine Ohren und Augen offen. Vielleicht gibt es wieder eine Reisemöglichkeit?

“Meine” Straße mit Vollmond.

APRIL 2020. Nachdem ich für ein paar Tage an der Nordküste war, habe ich Abschied von der Stadt genommen. Gedacht ist nun am Meer zu bleiben und von dort aus dann weiterzureisen, wenn es möglich ist. Eine ägyptische Freundin hat mich zu ihrem Sommerhaus eingeladen. Mit ihren beiden Töchtern möchte sie dem Trubel in der Stadt entkommen. Online Schulunterricht der Töchter macht es möglich.

An der Nordküste ist es ruhig. Menschenleer. Durch den frischen Wind kommt hier keine Hitze auf. Angenehm warm ist es hier. Das Wasser verzaubert mich jeden Tag aufs Neue. Dieses strahlende Blau. In guter Gesellschaft vergehen die Tage wie im Flug.

Ciao, ciao Nordküste.

MAI 2020. Nach fast einem Monat am Mittelmeer geht es nun doch wieder zurück in die Stadt. Einige Dinge müssen erledigt werden. Die befreundete Ägypterin muss ein paar Ämter abklappern. Und ich kehre zurück in die leerstehende Wohnung in Giza.

Es ist weiterhin alles geschlossen. Außer Lebensmittelläden und Restaurants, die Take away anbieten.

Der Fastenmonat Ramadan(etwa vom 23.04.-23.05.2020) ist sonst ein Monat der Freude und des Feierns. Dies ist durch den Lockdown, der in den Abendstunden beginnt und bis zur Morgenröte anhält, verhindert. So bleibt es mir verwehrt dieses Fest mit meinen ägyptischen Freunden zu feiern.

Bevor mir die Decke auf den Kopf fällt, breche ich meine alten Gewohnheiten. Ich suche mir kleine und größere Herausforderungen, die Frische in den Alltag bringen.

Perspektivwechsel.

JUNI 2020. Es bereitet mir Freude die Reise-Geschichte einer anderen Person zu schreiben. Das eigene Abenteuer ist schließlich zur Zeit auf Sparflamme. Auch wenn es interessant ist alle Facetten Ägyptens besser kennenzulernen, es bleibt auf eine Region beschränkt. Und in ein anderes Land zu gehen kommt nicht in Frage. Die Reisefreiheit, die ein deutscher Pass mit sich bringt ist passé.

Tagsüber ist es so heiß, dass man sich am besten Zeit für eine Siesta nimmt. Nachts kühlt es kaum ab.

Offiziell sind öffentliche Plätze und Sehenswürdigkeiten geschlossen. Ich mache mich auf dem Weg, um mit eigenen Augen zu sehen, was denn nun alles noch möglich ist. Und es ist noch etwas möglich.

Ich reite auf einem Pferd in die Wüste. Bei einem Tee genieße ich die Ruhe und den Blick auf die Pyramiden. Das Panorama der Großstadt tritt in den Hintergrund.

Ich lasse Drachen steigen mit den Cousinen einer Freundin. Wobei uns kleine Jungs, von der Langweile fliehend, ihre Flugkenntnisse präsentieren. Gewillt, uns ihre Fähigkeiten beizubringen, sind die zwei jungen Männer voll in ihrem Element. Einer der beiden nennt sich “König der Drachen” und ist unermüdlich zu zeigen, wie man am besten einen Drachen zum Fliegen bringt.

Lange habe ich kein saftiges Grün mehr gesehen.

JULI 2020. Auch auf einem Kamel reite ich in die Wüste. Sollte ich noch länger in Ägypten bleiben, mutiere ich wohl zur Beduinin. Und Koshery (ein ägyptisches Nationalgericht) koche ich mittlerweile selbst, wenn kein Take away auf dem Weg war.

Am Tag brennt die Sonne auf der Haut. Lange Ärmel sind von Nutzen. Oder einfach in Räumlichkeiten bleiben. Und abends einen Tee in Gemeinschaft genießen.

Das ägyptische Museum hat wieder geöffnet und direkt wird ein Ausflug dorthin unternommen. Ohne Beschriftung oder jeglicher Erklärung gleicht ein Stein dem anderen. Und nach der hundertsten Figur, hat man das Gefühl, dass man als Kind auch schon solche Figuren aus Matsch gebastelt hat.

Und eines Tages ist es soweit: Ich mache mich auf den Weg zum Flughafen. Ungläubig, ob tatsächlich der Flugverkehr geht, doch mit starker Gewissheit, dass endlich die rechte Zeit gekommen ist.

Die Normandie empfängt mich mit sommerlichen Temperaturen und blühenden Wiesen. Eine Wohltat. Und das schönste am Ganzen ist: das Reisen ist nun zu zweit.

Gemeinsam machen wir uns auf den Weg in die Bretagne am Ende des Monats.

Der Hafen von Lampaul-Plouarzel.

AUGUST 2020. Ein außergewöhnlicher Sommer. Mit Hitze, Regen, kühlem Nebel und kaltem Wasser. Eine Mischung, die in der Bretagne an einem Tag vorkommen kann.

Mit dem Segelboot auf dem Wasser unterwegs sein und den Wind um die Nase spüren. Wenn genug davon da ist. Wenn nicht, wird der Motor angeschmissen.

Die Bretagne kennenlernen und die sagenumwobenen Geschichten dazu.

Zelten und picknicken wo es einem gefällt. Bzw. wo niemand vorbeikommt. Und anhand der Wohnmobile auf dem Campingplatz die Wetterlage für die nächsten Tage prognostizieren.

Billard steht auf dem Tagesplan. In den Pub gehen, um gesellschaftlich den Tag ausklingen zu lassen. Oder einfach mal alleine den Sonnenuntergang genießen.

Strandspaziergänge. Bouldern. Oder die Zeit in Brest verbringen. So abwechslungsreich wie das Wetter war, so war auch das Programm.

Und der Höhepunkt war, einige Tage auf einer kleinen Insel zu verbringen. Das Treiben des Festlandes hinter sich zu lassen, das Smartphone im Zelt zu lassen und das Leben mal Leben sein zu lassen. Ganz pur und einfach.

Welch eine atemberaubende Küste die Bretagne doch hat.

SEPTEMBER 2020. Ein weiterer Monat in der Bretagne. Es ist deutlich kühler und der Herbst kommt mit großen Schritten. Nichtsdestotrotz wird jede Möglichkeit wahrgenommen Segeln zu gehen.

Strandspaziergänge bei starkem Wind bereiten umso mehr Freude und dem Treiben der Wellen zuzuschauen ist besser als jedes Fernsehprogramm.

Und auch nach einem Monat in der Region, gibt es noch Ecken, die erkundet werden wollen. Spaziergänge mit dem Hund halten einen in Bewegung. Und des öfteren den Bus nach Brest nehmen, sorgt für Schwung. Es gilt einiges zu erledigen. Und Großstadt-Pocahontas bekommt einen neuen Anstrich. Viel Arbeit findet im Hintergrund statt, ohne dass es wahrgenommen wird. Die Früchte müssen, wie bei allem, erst gesät werden, bevor man ernten kann. Und Zeit spielt dabei eine große Rolle. Es dauert, um eine Webseite nach eigenen Wünschen zu gestalten.

Erfrischender Badespass in Zug. Schweiz.

OKTOBER 2020. Und dann geht wieder alles ruck-zuck.

Großstadt-Pocahontas kommt mit großer Veränderung online.

Die Rucksäcke werden gepackt. Es geht von der Bretagne in die Normandie. Dann weiter nach Deutschland. Nach einem kurzen Abstecher in der Schweiz geht es über Deutschland nach Polen.

Alles im Sinne von “mit dem Fluss gehen”. Unproblematisch von einem Ort zum anderen reisen. Hier und da ein paar bekannte Gesichter wieder treffen. Liebe Menschen und die Familie in die Arme schließen. Und ja, die Familie: manchmal vergesse ich, wieviel Energie in ihnen steckt und was alles an einem Tag erlebt werden kann. Zauberhaft.

So flink auch alles im Oktober geht, es scheint der richtige Zeitpunkt dafür zu sein. Ende Oktober geht’s weiter nach Polen.

Draußen ist es ruhig. Dafür geht hier drinnen die Post ab.

NOVEMBER 2020. Polen. Das ist nun die derzeitige Station. Für einige Monate. Viel wurde dafür schon vorbereitet und es darf losgelegt werden. Umräumen. Aufräumen. Zerstören. Aufbauen. Renovieren. Restaurieren. Nerven verlieren und sie wieder aufsammeln. Ideen sammeln und sie wieder verwerfen. Gedanken in die Tat umsetzen. Zum Baumarkt fahren. Bestellungen machen. Lieferung erhalten. Müll abtransportieren. Zum Baumarkt fahren. Dreckige Hände. Dreckige Klamotten. Und, ach ja, mal wieder zum Baumarkt fahren. Und da kommt auch schon wieder die nächste Lieferung. Schleppen. Putzen und

ich höre das Badewasser fließen. Ja, eine wundervolle Abwechslung zu all den Bauarbeiten. Zum Abendessen sich eine Portion Pierogi(gefüllte Teigtaschen) gönnen und einen guten Film gucken. Das ist wie Balsam für die Seele.

Augenblicke für die Ewigkeit.

10.DEZEMBER. Der Tag an dem Großstadt-Pocahontas in die Welt hinaus zog. Oh, das ist ja heute. Ein Jahr ist es nun her. Und da kommt dieser geläufige Spruch in den Sinn: Als ob es gestern war. Ja, seltsam. Nur einen Augenblick entfernt scheinen all die Erinnerungen zu sein. Und nur ein Augenblick entfernt sind schon die nächsten Erinnerungen.

Auf zu weiteren Abenteuern. Danke, dass Du mitreist.

Mit herzlicher Verbundenheit, Deine Großstadt-Pocahontas

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Deutsche Fassung Die ReiseLeave a Comment on Was für ein Jahr

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