Das Segelboot hat bei Gran Canaria angelegt. Das ist die letzte Möglichkeit für mich ein Teil dieses Segeltörns zu sein. Nun ist es soweit. Das letzte Land, bevor ein anderer Kontinent am Horizont auftaucht. Das letzte Mal gemütlich, ohne Schaukeln im Café sitzen. Mit reichlich Proviant, kann es losgehen. Der Kapitän steuert den Lateinamerikanischen Kontinent an. Auf geht’s. Über den Atlantik. Ohne mich.

Ich hatte mir doch alles so schön zurecht gedacht. Mein Weltreise-Plan stand. So Pi-mal-Daumen. Zuerst mit einem Segelboot den Atlantik überqueren. Dann in Lateinamerika eine Freundin treffen. Einen Spanisch Sprachkurs machen und anschließend gemeinsam den Kontinent bereisen.

Nach langem Hin und Her habe ich mich dagegen entschieden auf das Segelboot aufzuspringen. Ach, wenn ich doch nur wüsste warum.

Der Blick aus dem Fenster.

Jetzt bin ich in der Wohnung dieser Freundin, mit der ich durch Lateinamerika reisen wollte. Eine leerstehende Wohnung. Ganz für mich alleine. In Gizeh. Eine Stadt, die direkt an Kairo angrenzt. Die beiden Städte gehen ineinander über. Wäre da nicht der Nil dazwischen. Die Wohnung ist in einem Viertel, in dem ich wohl die einzige Europäerin bin. Es fällt auf, durch die Reaktion der Menschen. Es fällt auf, weil direkt unter meinem Fenster lautstark zum Gebet gerufen wird. Und es fällt auf, durch meine Verhaltensweise. Doch darauf komme ich ein andermal zu sprechen.

Eine riesige Wohnung einer ägyptischen Familie. Alle leben im Ausland. Nun lebe ich hier. Selbstverständlich für die Mutter der Freundin, dass ich hier wohnen darf. Im Geiste bin ich ja schließlich auch ihre Tochter. Ein weiteres Zuhause für mich. Hier. In der großen weiten Welt. Ich fühle mich wohl.

Das Wohnzimmer.

Eine “eigene” Wohnung in Ägypten. Auch wieder so ein Fall, der mich Staunen lässt. Wie so vieles, was die Reise mit sich bringt. Was alles möglich ist. Obwohl nichts davon geplant ist. Da kommt mir ein John Lennon Zitat in den Sinn: „Leben ist das was passiert, während du dabei bist andere Pläne zu machen“. Es sind genau diese wundervollen Ereignisse, völlig planlos, die geschehen. Erstaunliche Gegebenheiten, die stattfinden, weil nichts durchgetaktet ist. Schöne Freundschaften, die sich entwickeln, weil Raum dafür gegeben ist. Eine Freundin, mit der ich sechs Tage in Ägypten verbringen durfte, weil es sich spontan ergeben hat. Das ist es! Ein Geistesblitz und Du bist quasi ‘live’ mit dabei. DAS IST DAS LEBEN! Ohne Plan. Das ist Leben pur. Und das Reisen als eine besondere Art von Leben. Ein Nomaden-Leben. Ein Leben auf Reisen. Das mag für manche von euch noch komisch klingen. Glaubt mir, das tut es für mich auch – noch.

Noch ist es mein Verstand, der sich schwer tut, von derartigen Plänen Abschied zu nehmen.

Noch versucht mein Verstand mir Deadlines zu setzen und mir Verpflichtungen aufzuzwingen.

Noch widerstrebt es meinem Verstand so planlos zu reisen. Waren es doch die letzten Strukturen meines zivilisierten Lebens. Großstadt-Pocahontas. ‘Nomen est Omen’. Die Wilde in der Metropole. Wild im Sinne von selbstbestimmt, frei und naturverbunden. Metropole im Sinne von Gizeh. Eine 8,8Millionen Einwohner Stadt. Und Kairo gleich nebendran(19,5Mio. Einwohner). Dem brauche ich wohl nichts mehr hinzuzufügen.

Abend-Spaziergang durch die Nachbarschaft.

Das Wilde ist ohne Plan. Doch folgt es einem bestimmten Rhythmus. Dem eigenem. Dem, der mit der Natur vertraut ist.

– Großstadt-Pocahontas

Die Reise ins Ungewisse. Sind es doch die spontanen Momente, die die schönsten sind. Die voller Überraschungen sind. Und die größte Freude bereiten. Frei von jeglichen Plänen das Leben genießen. So ist es auch unbestimmt, wie lange ich in Ägypten bleibe. Bei der Einreise musste ich ein Visum kaufen. 25Dollar für drei Monate. Ägypten gibt mir also eine zeitliche Begrenzung. Schauen wir mal, ob ich alle 90Tage nutze. Heute am 22.02.2020 ist auch mein 22.Tag in Ägypten. Planlos freue ich mich über das was ist. Und das was kommt. Ist es doch das pure Leben, das gelebt werden will.

P. S. Das einzige was jetzt noch geplant ist: Dieser Artikel geht am 22.02.2020 um 22Uhr online. Aus reinem Spaß an der Freude, die die ganzen zweier mit sich bringen. Der fertige Artikel wird von WordPress, durch meine Einstellung, um Zehn Uhr automatisch hochgeladen. Er liegt im Ordner ‘Geplant’ bereit. Welch Ironie des Schicksals.

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