Deutschland. Was für ein schönes Gefühl das doch ist, den Wasserhahn aufzudrehen und direkt davon das frische Nass zu trinken. Das können wir jedenfalls. Auch wenn es in der ein oder anderen Region an Qualität mangelt. Es ist trinkbar.

Der Nil. Die Lebensader Ägyptens.

Gizeh, Ägypten. So ganz genau habe ich es noch nicht heraus gefunden, jedoch ist das Leitungswasser hier wohl aus dem Nil. Und Du willst echt nicht wissen, was alles im Nil rumschwimmt. Also, Leitungswasser trinken fällt schon mal weg. Es riecht manchmal stark nach Chlor. Und nach dem Duschen fühlt sich die Haut an, als ob sie durch die Waschanlage ging. Mit Spezialreinigungsprogramm. Einmal Chemie-Dusche bitte. Damit auch wirklich alle Bakterien abgetötet sind. Was sehne ich mich in solchen Momenten nach Deutschland zurück. Und an die Schweiz möchte ich gar nicht erst denken. Frisches Bergquellwasser. Egal wo Du den Hahn aufdrehst.

Und in Ägypten kann ich froh sein, dass überhaupt Wasser rauskommt, wenn ich den Hahn aufdrehe. Heute zum Beispiel, gibt es keines. Ich habe darin noch keine Logik entdeckt. In Brasilien habe ich es erlebt, dass zu gewissen Uhrzeiten und Tagen das Wasser abgedreht wird, weil an der Resource gespart werden muss. So kann man eben nicht drei Mal am Tag das tropische Klima vom Leib waschen. Sondern nur ein Mal. Aber was ist der Grund hier in Ägypten? Es hat geregnet. Zwei Tage lang. Und es gab kein Leitungswasser. Drei Tage lang. Das ist aber in Ordnung. Gehört es ja zum Alltag dazu. Und ich bin gut dafür gewappnet. Die Wohnung beherbergt eine Armee unzähliger Flaschen. Aufgefüllt mit Wasser. So wurde ich von der Schar Wasserflaschen willkommen geheißen. Im Badezimmer. Und in der Küche. Den Grund dafür habe ich vermutet, bevor das erste Mal das Wasser ausblieb. Schön, wenn Menschen mitdenken. Zum Waschen ist also genug da, falls es mal wieder ausbleibt. Da ist vorgesorgt.

Zum Kochen nehme ich das Leitungswasser nicht. So sieht man mich immer mal wieder einen Wasserkanister vom Supermarkt nach Hause schleppen. Ob das Wasser aber soviel besser ist, als das was aus dem Hahn kommt, ist wage zu bezweifeln. Immerhin ist der Geruch neutral. Manches davon ist nur aufbereitetes Leitungswasser. Und das, was von der Quelle kommt, gehört einer bestimmten Marke. Die hat hier ihr Monopol. Wie in so vielen anderen afrikanischen Ländern. Und wenn man sich mal etwas damit beschäftigt hat, dann weiß man, welche Marke das ist, und mit welchen Maßnahmen sie da vorgehen. Unschön. Will ich diese Marke unterstützen? Nein. Somit greife ich zum ‘no name’ Produkt. Prost!

Alle erdenklichen Blauvariationen.

Nordküste, Ägypten. Das Leitungswasser schmeckt leicht salzig. Kein Wunder. Sind wir doch nur ein paar Meter vom Meer entfernt. Zum Nudeln kochen ist es äußerst praktisch, da es schon gesalzen ist. Für Tee und Kaffee muss auch hier das Wasser aus den Plastikflaschen herhalten.

Seit dem ich in Ägypten bin, ist meine Plastikflaschen-Bilanz für den Allerwertesten. So einfach es ist, in Deutschland auf Plastik zu verzichten – das war im Vergleich ein Kinderspiel – ist es hier gar eine der größten Herausforderungen. Diese habe ich noch nicht gemeistert. Wenn ich ansatzweise einen grünen Fussabdruck hatte, ist er bestimmt jetzt wieder grau. Grau, wie Asche. Grau, wie ein kahler Betonstreifen. Grau, wie der Himmel über Deutschland. Wie ich ihn oft im Winter erlebt habe. Wobei er doch auch so schön blau erstrahlen kann.

Und so schön blau ist das Wasser des Meeres hier. Welches ich tagtäglich genießen darf. Ein Blau, das zum Träumen einlädt. Ein Blau, das Märchen birgt. Ein Blau, welches von der Schönheit der Welt erzählt. Unser blauer Planet.

Was sonst so normal und selbstverständlich in Deutschland scheint, bringt mich hier zum Nachdenken. Ich habe mal gehört, dass zukünftig der Zugang zu Trinkwasser Kriege auslösen wird. Erdöl ist dann nicht mehr der Grund für Kriegsführung. Und jetzt höre ich, daß Äthiopien plant einen Staudamm zu bauen. Einen Damm, der den natürlichen Fluss des Nils stoppt. Der Nil, der ganz Ägypten nährt. Ägyptens Landwirtschaft ist hauptsächlich entlang des Nils. Ein Blick auf Google Maps macht es sehr deutlich. Und jetzt brauche ich nicht mehr viel Phantasie, um mir auszumalen, was geschieht, wenn Ägypten von der Quelle abgeschnitten ist.

Und so denke ich mir: es gibt so viele Möglichkeiten Wasser aufzubereiten. Salzwasser trinkbar zu machen. Quellen zu bauen. Ich halte Ausschau, nach solchen Projekten. Wünsche mir, dass innovative Verfahren das Land erobern.

Ein Land, wie zum Beispiel Ägypten, in der es selbstverständlich ist, Trinkwasser im Supermarkt zu kaufen. Eine gewohnte Selbstverständlichkeit. Diese ist jedoch fernab der Natur. Die Natur ist verschwänderisch und sorgt sich um alle. Die Natur versorgt uns mit Wasser. Uns Wesen. Die doch zu 60-80% aus Wasser bestehen.

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Deutsche Fassung Die ReiseLeave a Comment on Wasser

0 Replies to “Wasser”

  1. Das mit dem gechlorten Leitungswasser und Trinkwasser aus riesigen Plastikwasserflaschen kommt mir auch wieder aus Istanbul bekannt vor. Auch die Batterie an gefüllten Wasserkanister in der Küche kommt mir in die Erinnerung und die kurzzeitigen Phasen ohne Leitungswasser.
    Einmal hatte ich am Anfang versehentlich Chlorwasser zum Reiskochen genutzt und erst beim Essen den fatalen Fehler bemerkt. Das sind dann auch die Fehler, aus denen man am schnellsten lernt, haha.

    1. Hahahahaha Uppppsssiiiii! Ja, manche Missgeschicke passieren wirklich nur einmal hihihi
      Herzlichen Dank, liebe Susann, für Deinen Kommentar und dass Du Deine Erlebnisse hier teilst.
      Du bereicherst den Blog auf eine schöne Art und Weise. Danke!

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